Die US-Notenbank (FRB) hat gemeinsam mit weiteren Finanzaufsichtsbehörden einen Regulierungsentwurf für Emittenten von Zahlungs-Stablecoins veröffentlicht. Darin wird klargestellt, dass Emittenten im Rahmen der Umsetzung des GENIUS Act eine Identitätsprüfung (KYC) auf Bankniveau durchführen müssen. Damit legt die Aufsicht erstmals seit der Verabschiedung des GENIUS Act konkret fest, nach welchem Standard Emittenten ihre Kunden identifizieren müssen. Als erstes berichtete das japanische Medium CoinPost darüber; für den englischen Originaltext des Entwurfs ist die Fed selbst maßgeblich – Leser sollten direkt die Pressemitteilungsseite der Fed aufrufen (Redaktionshinweis: CoinPost berichtet aus zweiter Hand; für die konkreten Klauseln und die Frist der öffentlichen Konsultation ist der Originaltext der Fed maßgeblich).
Was das für USDT-Kartennutzer bedeutet
Vorab die Kernaussage: Diese Nachricht betrifft Stablecoin-Emittenten (Mint-/Redemption-Stellen wie Circle oder Tether), nicht direkt deine Karte. Verschärft sich das KYC aber auf Emittentenebene, wirkt sich das entlang der Zahlungskette nach unten durch.
Der Grad der Betroffenheit lässt sich in drei Stufen entlang der Kette einteilen:
- Am direktesten betroffen: Karten mit USDC als Basis, die stark auf US-konforme Kanäle angewiesen sind. Beispiele sind Coinbase Card und Crypto.com Visa, die über das US-Kartenaussteller-System laufen. Sie sind enger an regulierte Emittenten/Banken in den USA gebunden. Sobald die Regel in Kraft tritt, dürften KYC-Nachprüfungen, Adressnachweise und Herkunftsnachweise für Gelder wahrscheinlich strenger werden.
- Indirekt betroffen: überwiegend USDT-basierte Karten mit asiatisch-pazifischer Route. Die von der Redaktion ausgewählte MPCard (Variante Asia Elite, asiatisch-pazifische Visa-BINs) wird hauptsächlich mit ₮ aufgeladen; ihre Emissionsstruktur ist nicht an das US-Bankensystem gekoppelt. Kurzfristig ist der direkte Effekt dieses US-Entwurfs gering. Da Tether jedoch der weltweit größte USDT-Emittent ist, wird langfristig ein zunehmend angeglichener KYC-Druck über verschiedene Jurisdiktionen hinweg zu erwarten sein.
- Pausierte Produkte: Die US-Direct-Variante von MPCard ist derzeit auf der offiziellen Seite als „Ausgabe pausiert“ gekennzeichnet (maßgeblich ist der Status auf der offiziellen MPCard-Produktseite). Solange die US-Stablecoin-Regeln nicht endgültig feststehen, bleibt der Zeitplan für eine Wiederaufnahme direkt an die USA gebundener Produkte ungewiss.
Erwarteter Zeitrahmen:
- Innerhalb von 7 Tagen — Keine Karte wird aufgrund dieses Entwurfs ihre Prozesse für Kartenausstellung oder Aufladung ändern. Es handelt sich um einen Entwurf, keine geltende Verordnung.
- Innerhalb von 30 Tagen — Beobachten, ob Emittenten (insbesondere Circle) Compliance-Erklärungen veröffentlichen und ob die öffentliche Konsultationsphase startet.
- Innerhalb von 90 Tagen — Karten, die auf US-konformen Kanälen basieren, könnten Nutzervereinbarungen aktualisieren und die Anforderungen an Adress- und Herkunftsnachweise verschärfen.
Historischer Vergleich: Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu MiCAR und dem USDC-Entkopplungsereignis
Ordnet man diesen Entwurf in die Zeitlinie ein, wird es klarer:
| Ereignis | Zeitpunkt | Art | Kernanforderung an Emittenten |
|---|---|---|---|
| USDC-Entkopplung | März 2023 | Marktrisikoereignis | Offenlegung des Bankengagements bei Reserven, keine neuen Vorschriften |
| MiCAR-Stablecoin-Vorschriften | Stufenweises Inkrafttreten Mitte 2024 | EU-Gesetzestext | Reserven, Whitepaper, autorisierte Emission |
| GENIUS-Act-KYC-Entwurf | Juni 2026 | US-Regelentwurf | Identitätsprüfung auf Bankniveau |
Gemeinsamkeit: Alle drei zeigen dieselbe Richtung – die Aufsicht bewegt sich weg von „Duldung am Rand“ hin zu Anforderungen, die Stablecoin-Emittenten wie Finanzinstitute behandeln.
Unterschiede:
- Die USDC-Entkopplung 2023 war ein Marktereignis, keine Gesetzgebung – ausgelöst durch die Panik über das Bankengagement bei den Reserven (Silicon Valley Bank). Die konkreten Reservebeträge sind der offiziellen Offenlegung von Circle aus jener Zeit zu entnehmen; nicht erstverifizierte Zahlen werden hier nicht wiedergegeben.
- Die EU-MiCAR ist kodifiziertes Recht mit Schwerpunkt auf Reservedeckung, Whitepaper-Offenlegung und Emissionsgenehmigung; der GENIUS-Entwurf setzt den Schwerpunkt derzeit auf KYC/Identitätsprüfung – die Ausrichtung unterscheidet sich also.
- MiCAR hat dazu geführt, dass USDT an einigen EU-Börsen delistet wurde; der GENIUS-Entwurf bleibt bislang auf der Ebene „KYC verlangen“ und sieht keine Zwangs-Delistings vor.
Compliance-Grenzen: Was ist jetzt erlaubt, was nicht
Für gewöhnliche Kartenhalter gilt derzeit folgender rechtlicher Stand:
- Klar erlaubt: Der Besitz und die Nutzung von USDT-/USDC-Karten konformer Aussteller für Ausgaben ist an sich nicht rechtswidrig.
- Grauzone: Der KYC-Standard auf Emittentenebene wird gerade neu definiert – das bedeutet, dass künftig detailliertere Herkunftsnachweise für Gelder verlangt werden könnten.
- Verschärfung heißt nicht Verbot: Kern des Entwurfs ist „Kundenidentifikation nach Bankstandard“, nicht ein Verbot von Stablecoins.
Die Unterschiede zwischen den Jurisdiktionen sind erheblich. Nutzer im asiatisch-pazifischen Raum können sich an den Compliance-Leitfaden für Hongkong, den Compliance-Leitfaden für Singapur und den Compliance-Leitfaden für Japan orientieren, um lokale Grenzen für Kartenausgabe und -besitz zu verstehen; Nutzer in den USA sollten die Aktualisierungen des Compliance-Leitfadens für die USA im Blick behalten.
Wichtige Meilensteine, die es zu beobachten gilt
- Ende der öffentlichen Konsultationsphase — Entwürfe der Fed enthalten üblicherweise ein Konsultationsfenster; dessen Ende bestimmt, wie schnell die Regel endgültig wird (maßgeblich ist die offizielle Ankündigungsseite).
- Offizielle Reaktionen von Circle / Tether — Wer sich zuerst positioniert und mit welchem Tenor, deutet an, welcher Compliance-Weg „bequemer“ wird.
- Aktualisierung der Nutzervereinbarungen bei US-Kartenausstellern — Ob Coinbase und Crypto.com ihre KYC-Materialanforderungen anpassen, ist der direkteste Gradmesser.
- Anzeichen für eine Angleichung von MiCAR und GENIUS — Sobald sich die beiden großen Rechtsräume beim KYC angleichen, entsteht für globale Emittenten einheitlicher Druck.
Empfehlung der Redaktion
- Nutzer von Karten mit asiatisch-pazifischer Route wie MPCard: Kein Handlungsbedarf. Dieser Entwurf ändert weder deinen Kartenausgabe- noch deinen Aufladeprozess; halte weiterhin an der Übereinstimmung von Konto, IP und Karten-BIN fest.
- Nutzer von USDC, die auf US-konforme Kanäle angewiesen sind (Coinbase Card / Crypto.com Visa): Es empfiehlt sich, in den kommenden 30 Tagen Aktualisierungen der Vereinbarungen von Emittenten und Kartenausstellern zu beobachten und Adress- sowie Herkunftsnachweise vorzubereiten, um bei Nachprüfungen nicht in Verzug zu geraten.
- Wer die Neubeantragung eines direkt an die USA gebundenen Produkts plant, sollte etwa 30 Tage abwarten, bis die Konsultationsphase und die Stellungnahmen der Emittenten klarer sind. Bis die Regeln feststehen, ist die asiatisch-pazifische Route die stabilere Wahl; als Alternative lohnt sich ein Blick auf die 5 empfehlenswertesten U-Karten 2026.
- Was du nicht tun solltest: Löse wegen dieses Entwurfs keine panische Rückgabe aus und verschiebe keine großen Stablecoin-Beträge konzentriert – der Entwurf ist noch nicht in Kraft, und panische Aktionen erhöhen eher das Risiko, eine Risikoprüfung auszulösen.
Dies ist eine Compliance-Weiterentwicklung auf Emittentenebene und für disziplinierte Kartenhalter tendenziell ein neutral-positives Signal – je klarer die Regulierung, desto stabiler die langfristige Nutzbarkeit. Anpassungsbedarf besteht wirklich nur für den kleinen Teil der Nutzer, die auf US