Trump unterzeichnete am 19. Mai einen Erlass, der die Bundesbehörden und die Fed verpflichtet zu prüfen, wie Einlageninstitute (depository institutions) Kryptounternehmen den Zugang zu Zahlungsdienstleistungen eröffnen. Laut CoinDesk dreht sich der Kern des Erlasses um den „Zugang zu Zahlungsstrecken” (access to payment rails) – also die Frage, ob und unter welchen Bedingungen Kryptounternehmen in das Clearing- und Abwicklungssystem der Banken eingebunden werden können. Das ist die grundlegende Infrastruktur, auf die Stablecoin-Emittenten, Krypto-Zahlungsdienstleister und Kartenausgeber täglich angewiesen sind. Der Erlass ist kein Gesetz, sondern eine politische Anweisung, die mehrere Institutionen zur Einleitung interner Prüfungen verpflichtet.
Was das für USDT-Kartennutzer bedeutet
Vorweg das Wichtigste: Diese Meldung berührt Ihr Kartenguthaben nicht direkt, beeinflusst aber die Frage, welche US-Strecken künftig verfügbar sind und wann.
Die Kette einer USDT-Virtualkarte sieht vereinfacht so aus: Sie laden ₮ auf → der Kartenausgeber tauscht in Fiat → Abwicklung über Visa/Mastercard → Händler erhält Zahlung. Der entscheidende Engpass ist dabei nicht Visa, sondern ob der Bankpartner (BIN-Sponsor) hinter dem Kartenausgeber stabil in das US-Dollar-Zahlungssystem eingebunden bleiben kann. Genau diese Ebene nimmt Trumps Erlass unter die Lupe.
- US-Strecken reagieren am empfindlichsten. Die US-Direct-Variante von MPCard ist derzeit bereits ausgesetzt. Der Zeitplan für die Wiederaufnahme solcher US-Dollar-Direktprodukte wird künftig noch stärker vom Prüfungsergebnis abhängen. Wer eine US-Karte beantragen möchte, sollte zunächst die Statusaktualisierungen im MPCard-Test verfolgen, anstatt voreilig Unterlagen einzureichen.
- Asien-Pazifik-Strecken sind vergleichsweise abgeschirmt. Wer eine Karte mit APAC-BIN nutzt (MPCard Asia Elite, RedotPay, Bybit Card usw.), ist im Alltag – bei Einkäufen oder Abonnementzahlungen – kurzfristig nicht direkt vom US-Erlass betroffen. Die Abwicklungsbanken dieser Karten liegen außerhalb des unmittelbaren Zuständigkeitsbereichs der US-Regulierung.
Erwarteter Zeitrahmen: Innerhalb von 7 Tagen sind keinerlei sichtbare Änderungen zu erwarten – Guthaben und Abbuchungen laufen wie gewohnt. Innerhalb von 30 Tagen könnten einzelne Dollar-bezogene Produkte in ihren Geschäftsbedingungen still aktualisierte Risikoformulierungen einführen. Innerhalb von 90 Tagen – wenn die Prüfung zu substanziellen Ergebnissen führt – würde sich das tatsächlich auf die Verfügbarkeit neuer US-Karten auswirken.
Historischer Vergleich: 2026 ist nicht 2023
Kenner werden sich an die Debatte um „Operation Choke Point 2.0” Anfang 2023 erinnern. Damals brachen mehrere kryptofreundliche Banken (Silvergate, Signature) weg oder zogen sich zurück, was die Bankverbindungen für Kryptounternehmen drastisch einengte und die Fiat-Onramp-Kapazitäten von Stablecoin-Emittenten unter Druck setzte. Diese Runde war geprägt von Einschränkung: Die Regulierung stand dem Zugang von Kryptounternehmen zu Zahlungssystemen klar defensiv gegenüber.
Diesmal zeigt der Pfeil in die andere Richtung. Trumps Erlass ergeht in einem administrativ kryptofreundlicheren Umfeld und fordert die Fed auf, die Zugangsregeln neu zu prüfen – mit dem impliziten Unterton: „Warum ist der Zugang so schwierig, und lässt er sich lockern?” Gemeinsamkeit: Beide Male steht dieselbe Schwachstelle im Zentrum – der Bankzugang von Kryptounternehmen zu Zahlungsstrecken. Unterschied: 2023 war faktisch eine Schließung, 2026 ist eine politisch neu eröffnete Überprüfung. Für Kartenausgeber war Ersteres negativ, Letzteres ist neutral bis leicht positiv – die Prüfungsphase selbst bedeutet aber Unsicherheit, und Kartenausgeber agieren bis zu einer Entscheidung erfahrungsgemäß konservativ.
Regulatorische Grenzen: Wo die Linie aktuell verläuft
Drei Ebenen sind zu unterscheiden:
- Klar erlaubt: Im Rahmen des GENIUS Act und vergleichbarer Stablecoin-Gesetzgebung gibt es in den USA einen rechtlichen Weg für die Ausgabe und den Umlauf konformer Stablecoins.
- Grauzone: Die „konkreten Bedingungen, unter denen Kryptounternehmen Zugang zum Fed-Zahlungssystem erhalten” – genau das, was dieser Erlass untersucht. Wer ein Master-Account erhält und wer nicht, ist bislang nicht einheitlich geregelt.
- Unverändert: Sie als Endnutzer, der die Karte für alltägliche Einkäufe verwendet, sind niemals Gegenstand dieses Erlasses. Er regelt den institutionellen Zugang, nicht die individuelle Nutzung.
Wer sich für die US-bezogenen Compliance-Details interessiert, findet diese in der US-Compliance-Übersicht. Nutzer, die ihr Guthaben lieber in regulatorisch klareren Jurisdiktionen halten möchten, können die Singapur-Compliance-Übersicht und die Hongkong-Compliance-Übersicht als Vergleichsreferenz heranziehen.
Knotenpunkte, die es zu beobachten gilt
- Zeitplan der Fed-Prüfung: Erlasse enthalten üblicherweise eine Reaktionsfrist (häufig 90–180 Tage). Beobachten Sie die Seite Zahlungssysteme der Fed und offizielle Stellungnahmen.
- Ankündigungen zu Bankpartnern der Stablecoin-Emittenten: Falls Circle, Tether oder andere eine neue Dollar-Abwicklungsbank bekanntgeben oder eine bestehende Bankbeziehung beendet wird, ist das das direkteste Signal.
- Statusänderung bei MPCard US Direct: Sollte die ausgesetzte US-Variante reaktiviert werden oder ein konkreter Zeitplan bekannt werden, wird das sofort in den Kartendaten sichtbar.
- Detailregelungen zur Master-Account-Politik: Veröffentlicht die Fed konkrete Standards für den Hauptkontenzugang von Kryptounternehmen, würde das die oben genannte Grauzone erheblich eingrenzen.
Redaktionsempfehlung
- Nutzer mit bestehenden APAC-Karten: Kein Handlungsbedarf. MPCard Asia Elite, RedotPay, Bybit Card und andere Karten mit APAC-BIN sind vom US-Erlass im Alltag nicht betroffen – einfach wie gewohnt aufladen und nutzen.
- Nutzer, die eine US-Karte beantragen möchten: 30 Tage warten empfohlen. Solange die Prüfungsrichtung der Fed noch unklar ist und Produkte wie MPCard US Direct keinen aktualisierten Status haben, lohnt es sich nicht, wegen des „US”-Labels zusätzliche Unsicherheit in Kauf zu nehmen. Wer eine stabile und verfügbare Strecke benötigt, wirft zunächst einen Blick auf die 5 empfehlenswerten Karten 2026.
- Was Sie nicht tun sollten: Aus Schlagzeilen à la „Trump unterstützt Krypto” schließen, dass US-Karten in Kürze massenhaft wieder verfügbar sein werden. Während einer Prüfungsphase agieren Kartenausgeber erfahrungsgemäß konservativer, nicht aggressiver.
Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald die Prüfungsergebnisse vorliegen oder es substanzielle Änderungen bei den Bankpartnern der Kartenausgeber gibt. Kartendaten werden stündlich aktualisiert; der Status der US-Variante richtet sich nach den offiziellen Seiten der Anbieter.