Ob eine Steuer-ID nötig ist, hängt vom Registrierungsort des Kartenausstellers und der Limitstufe ab, die du beantragst – nicht von der USDT-Karte als Produktform selbst. Die meisten Leser interessieren sich für das Szenario “geringe Limits, alltäglicher Konsum”, und in diesem Fall reicht bei der großen Mehrheit der Nicht-US- bzw. Nicht-Kanada-Aussteller ein Ausweis. Sobald du jedoch höhere monatliche Limits freischalten möchtest oder der Aussteller in Nordamerika bzw. der EU registriert ist, kommst du um eine Steuer-ID kaum herum.
US-Aussteller: SSN ist die Standardanforderung
Bei in den USA registrierten Ausstellern (Coinbase Card, die US-Version von Crypto.com Visa usw.) wird beim erweiterten KYC fast immer eine SSN (Social Security Number) verlangt. Das ist keine Schikane des Ausstellers, sondern eine verbindliche Vorgabe von FinCEN und IRS für zahlungsbezogene Finanzkonten – jede Institution, die innerhalb der USA bankähnliche Dienstleistungen anbietet, muss dem IRS Kundendaten ab bestimmten Schwellenwerten melden.
Einige Aussteller akzeptieren eine ITIN (Individual Taxpayer Identification Number), die für Nicht-Bürger mit steuerlichen Pflichten in den USA, aber ohne SSN gilt. Karten, die mit ITIN eröffnet werden können, haben jedoch meist einen reduzierten Funktionsumfang: niedrigere Limits, eingeschränkte grenzüberschreitende Überweisungen, und an manchen Cashback-Aktionen kann man nicht teilnehmen.
Kanada und EU: jeweils eigene Maßstäbe
In Kanada registrierte Aussteller verlangen eine SIN (Social Insurance Number), die Logik ähnelt der US-Regelung und wird von der CRA (kanadische Steuerbehörde) vorgegeben.
Nach Inkrafttreten von MiCA in der EU wird bei Anträgen auf hohe Limits für kryptobezogene Zahlungskonten ein “Steuerwohnsitznachweis” verlangt – das ist nicht zwingend ein einzelnes Steuer-ID-Feld, sondern kann eine Kombination aus Steuerwohnsitzland, lokaler Steuer-ID und Adressnachweis sein. Konten mit niedrigen Limits (typischerweise unter 1000 Euro Monatsausgaben) können weiterhin ein vereinfachtes KYC durchlaufen. Die genauen Regeln unterscheiden sich je Mitgliedsstaat, siehe /compliance/eu.
Asien und Lateinamerika: vorwiegend Ausweisdokumente
Aussteller in Hongkong, Singapur, Japan, Südkorea, Südostasien sowie in Brasilien, Mexiko und anderen Ländern verlangen beim einfachen KYC in der Regel nur Ausweis bzw. Reisepass, Selfie und Adressnachweis. Das Feld für die Steuer-ID fehlt entweder ganz oder ist als optional gekennzeichnet. Das ist auch ein Grund, warum viele Nutzer im asiatisch-pazifischen Raum Karten mit asiatischer Linie bevorzugen – der Prozess ist kürzer und die Ablehnungsrate niedriger.
Eine zu beachtende Ausnahme: Die Anforderungen an die Verknüpfung mit lokal verifizierten Konten in Japan und Südkorea sind strenger, betreffen jedoch eher die Ebene der “Identitätsverifizierung” und nicht notwendigerweise die Ebene der Steuer-ID. Details dazu findest du unter /compliance/jp und /best/for-korea.
Vergleich der Anforderungen nach Aussteller
| Registrierungsort des Ausstellers | Einfaches KYC | Erweitertes KYC |
|---|---|---|
| USA | Ausweis + Adresse | SSN oder ITIN |
| Kanada | Ausweis + Adresse | SIN |
| EU (MiCA) | Ausweis + Adresse | Steuerwohnsitznachweis + lokale Steuer-ID |
| Hongkong / Singapur | Ausweis / Reisepass | Einkommensnachweis (optional) |
| Lateinamerika | Ausweis | CPF (Brasilien) / RFC (Mexiko) |
Maßgeblich sind die aktuellen offiziellen Seiten der jeweiligen Aussteller; bitte vor Kontoeröffnung direkt den offiziellen KYC-Prozess des Anbieters prüfen.
Redaktionsempfehlung
Do: Wähle den Aussteller passend zu deinem tatsächlichen Steuerwohnsitz – US-Bürger nutzen die Coinbase Card, Bewohner der Asien-Pazifik-Region sollten vorrangig Karten mit asiatischer Linie prüfen. Don’t: Suche nicht gezielt nach “Offshore-Karten ohne KYC”, um eine Steuer-ID zu vermeiden – solche Produkte haben ein deutlich höheres Risiko von Anbieterausfällen und Kontosperrungen als konforme Linien, siehe dazu die Analyse unter /risks/no-kyc.